Geschichte und Zukunft der Produktivität

Published: 22.10.2018

Abstract: 2017, the German IGZA (Institute for the History and Future of Work) published a report worth reading by all taking an interest in long-term productivity development. The report is available only in German language.

Grafik S. 2: Wachstum der Arbeitsproduktivität entwickelter Länder

Daten: ECD Productivity Statistics (database), total economy, GDP per hour worked, percentage change at annual rate

Handelt es sich, wird gefragt, "um eine zyklische Delle, wie sie auch in der  Vergangenheit bereits zu beobachten war? Oder handelt es sich um einen langfristigen Trendbruch, der nur durch vermehrte Anstrengungen überwindbar ist? Oder ist die aktuelle Abflachung der Produktivität der Ausdruck einer langfristigen, säkularen Stagnation oder strukturellen Überakkumulation?" (S. 3)

  • In den vergangenen 200 Jahren fand die „erste Hälfte“ einer tiefgreifenden technisch-wissenschaftlichen Revolution statt, durch die die (westliche) Welt eine historisch einmalige Phase des Produktivitätswachstums erlebte.
  • Der rasante Anstieg der Produktivität ist die Basis für Wohlstand und Freiheit der Lebensgestaltung (Arbeitszeitverkürzung, gestiegene Lebenserwartung).
  • Die "zweite Hälfte" der Entwicklung steht uns aber noch bevor. In den entwickelten Volkswirtschaften ist heute ein Automatisierungsgrad von etwa 50 Prozent erreicht. Diese Entwicklung wird weitergehen, bis vielleicht 90 Prozent der materiellen Produktion und der wünschbare Teil der Dienstleistungen weltweit automatisiert sind. Denn die aktuellen technischen Entwicklungen ermöglichen einen weiteren Automatisierungsschub der materiellen Produktion und umfassen zudem bisher einer Automatisierung unzugängliche Teile der Dienstleistungen.
  • Das Abflachen der relativen Wachstumsraten ist ein genereller Trend  in den OECD-Ländern seit 1970. Der in der aktuellen Debatte vielfach postulierte "Trendbruch" der Produktivitätsentwicklung in den letzten Jahren übersieht den langfristen Trend und unterschätzt die Automatisierungspotentiale.
  • Die Nicht-OECD-Länder bergen ein riesiges Wachstumspotential.
  • Der Menschheit eröffnet sich die Chance für Wachstum des Lebensstandards, für kürzere Arbeitszeiten und attraktivere Arbeit, wenn es gelingt, die immensen globalen und nationalen Produktivitätspotentiale zu realisieren. Dazu bedarf es einer gesellschaftlichen Debatte zum Umgang mit der Automatisierung und Digitalisierung.
  • Es scheint eine Frage der Zeit zu sein bis sowohl in der materiellen Welt von Landwirtschaft und Produktion als auch bei den Dienstleistungen der Ersatz menschlicher Arbeit durch ‚intelligente Maschinen‘ technisch möglich sein wird.
  • Es stellt sich schließlich auch die umfassende Frage nach der Zukunft der kapitalistischen Produktionsweise. Wir leben heute  - gemessen am Produktivitätspotential - unter unseren Möglichkeiten. Sind ungleiche Einkommensverteilung, fehlende Qualifikation, ungelöste Nachhaltigkeit systemimmanent, oder lassen sie sich durch eine Einhegung der Wirtschaft durch Politik und Gesellschaft, des Renditestrebens durch soziale und ökologische Verantwortung auflösen?
  • der ’rugged individualism’ des US-amerikanischen marktradikalsten Modells,
  • der Chinesische  Weg eines Hybrids aus Markt-Kapitalismus und Staatssozialismus,
  • oder die europäische Verbindung von kapitalistischer Marktwirtschaft, Sozialstaat und Demokratie?